Ratgeber

Gerüst in Bahnnähe – was in Olten vor dem Aufbau geklärt sein muss

Ein Gerüst in Bahnnähe braucht in Olten die Bewilligung der SBB, sobald die Baustelle näher als 50 m an Bahngrund oder Leitung liegt. Ab 5 m zu spannungsführenden Teilen kommt ein Erdungskonzept dazu.

Dieser Ratgeber zeigt die drei Zonen, die Fristen der SBB und wer am Aufbautag was erledigt. So steht das Verfahren im Terminplan, bevor es ihn verschiebt.

Wann gilt ein Gerüst in Olten als bahnnah?

Sobald weniger als 50 m zwischen Baustelle und SBB-Grundstück oder Freiluftleitung liegen. Dann geht das Projekt ans Grundstücksmanagement der SBB zur Prüfung und Bewilligung.

Die Grundlage steht im Bundesrecht. Nach Art. 18m Eisenbahngesetz sind Arbeiten in der Nähe von Bahnanlagen durch die Bahn bewilligungspflichtig. Diese Spezialbewilligung ist zwingender Bestandteil der Baubewilligung.

Für ein Gerüst heisst das: Die Frage nach dem Gleis kommt vor der Frage nach dem Preis. Wer sie erst bei der Montage stellt, verliert Wochen.

50

Meter zu Bahngrundstück oder Leitung: Ab hier prüft die SBB

5

Meter Mindestabstand zum spannungsführenden Teil

15'000

Volt in der Fahrleitung

8

Wochen Vorlauf als sichere Annahme

Drei Zonen, drei Pflichten

Je näher das Gerüst am Gleis steht, desto mehr kommt dazu. Die Zonen bauen aufeinander auf – wer in der innersten steht, erfüllt alle drei.

  1. 01

    Unter 50 m

    Die SBB prüft das Projekt

    Liegt die Baustelle näher als 50 m an einem SBB-Grundstück oder einer Freiluftleitung, geht das Projekt ans Grundstücksmanagement der SBB. Gebaut wird erst, wenn dessen Bewilligung vorliegt.

  2. 02

    5-Meter-Gefahrenzone

    Das Gerüst braucht ein Erdungskonzept

    Kann das Gerüst in die Zone von 5 m um spannungsführende Teile gelangen, verlangt die SBB ein Erdungskonzept. Und zwar schon beim Ausstecken der Bauprofile, nicht erst vor der Montage.

  3. 03

    0 bis 5 m ab Gleisachse

    Ein Sicherheitschef steht auf der Baustelle

    So nah am Gleis gelten die Sicherheitsmassnahmen nach R RTE 20100 des Verbands öffentlicher Verkehr. Ein Sicherheitschef muss zwingend anwesend sein, nötigenfalls mit Sicherheitswärter.

Zwei Messpunkte

Die 5 m der Gefahrenzone zählen ab dem nächsten spannungsführenden Teil, die 0 bis 5 m für den Sicherheitschef ab der Gleisachse. Beide Masse gehören in den Situationsplan.

Warum Bahnnähe in Olten der Normalfall ist

Olten heisst nicht ohne Grund Eisenbahnerstadt. Der Bahnhof zählte 2023 rund 80'900 Ein- und Aussteigende pro Werktag, an zehn Perrongleisen und sechs Perrons. Die Gleisfelder ziehen sich quer durch das Siedlungsgebiet.

Direkt betroffen sind ganze Quartiere. Der Bifang liegt unmittelbar hinter dem Bahnhof, das Hardfeld nahe daran. Das Areal Bahnhof Nord entsteht zwischen Gleisen und Aare. Mit Olten Hammer hat die Stadt zudem einen Formationsbahnhof im Süden.

Auch die prüfende Stelle sitzt vor Ort. Das SBB-Grundstücksmanagement, das die Projekte unter 50 m bewilligt, hat eine seiner regionalen Stellen in Olten.

Der Terminplan: acht Wochen vor dem ersten Ständer

Die SBB verlangt für die Prüfung mindestens 25 Tage Vorlauf und rechnet intern mit rund 30 Tagen Bearbeitung. Wer beides hintereinander einplant, landet bei rund acht Wochen. Das ist die sichere Annahme.

  1. 8 Wochen vorher

    Unterlagen zusammenstellen

    Situationsplan mit Abstand zur Gleisachse, Gerüstplan mit Höhe, Bauprofile. Liegt etwas in der Gefahrenzone, kommt das Erdungskonzept dazu.

  2. mindestens 25 Tage

    Prüfung des Erdungskonzepts

    So viel Vorlauf verlangt die SBB für die Prüfung der Unterlagen.

  3. rund 30 Tage

    Bearbeitung im Grundstücksmanagement

    Die interne Frist der SBB für Projekte unter 50 m, sobald die Unterlagen vollständig sind.

  4. parallel

    Öffentlicher Grund und Baubewilligung

    In der Stadt Olten mindestens 14 Tage für Trottoir und Strasse. Die Spezialbewilligung der Bahn ist zwingender Teil der Baubewilligung.

  5. Aufbautag

    Erdung und Freigabe

    Der Fahrleitungsdienst erdet das Gerüst, der Fahrstromdienst gibt frei. Erst dann wird darauf gearbeitet.

Die Fristen für Trottoir und Strasse stehen im Ratgeber zur Bewilligung für öffentlichen Grund und Baugesuch. Beide Verfahren laufen nebeneinander, nicht nacheinander.

Erdung: wer sie macht und wer freigibt

In der Fahrleitung liegen 15'000 Volt. Unfälle mit Fahrleitungsberührung enden meist tödlich. Deshalb bleiben zum nächsten spannungsführenden Teil mindestens 5 m frei – auch mit langen Stangen oder Gerüstrohren in der Hand.

Die Erdung ist keine Aufgabe des Gerüstbauers. Stahlbaugerüste erdet der Fahrleitungsdienst der Bahn, die Freigabe erteilt der Fahrstromdienst. Ansprechpartner für das Erdungskonzept sind bei der SBB die Koordinatoren für Arbeitsstellensicherheit.

Für die Montage zählt die Reihenfolge: Erst steht das Gerüst nach Plan, dann wird geerdet, dann freigegeben. Gearbeitet wird erst danach. Diesen Tag stimmen wir mit der Bahn ab, nicht mit dem Wetterbericht allein.

Sicherheitschef an der Gleisachse – und wer ihn bezahlt

Steht das Gerüst zwischen 0 und 5 m ab Gleisachse, gelten die Sicherheitsmassnahmen nach R RTE 20100 des Verbands öffentlicher Verkehr. Ein Sicherheitschef muss dann zwingend auf der Baustelle sein. Wo nötig, ergänzt ihn ein Sicherheitswärter.

Die Kosten trägt die Bauherrschaft. Diese Position fehlt in vielen ersten Budgets, weil sie mit dem Gerüst selbst nichts zu tun hat. In der Offerte steht sie deshalb als eigene Zeile, sobald der Abstand bekannt ist.

Kurz gesagt: Zwei Offerten lassen sich nur vergleichen, wenn beide den Sicherheitschef enthalten – oder beide ausdrücklich nicht. Wie sich ein Gerüstpreis sonst zusammensetzt, zeigen die Ansätze je m² und die Rechenwege.

Typische Aufträge in Gleisnähe

Vier Projekttypen kommen in Olten neben dem Gleis immer wieder vor. Jeder bringt eine eigene Frage mit.

Mehrfamilienhaus im Bifang

Direkt hinter dem Bahnhof, in den letzten Jahren stark verändert. Wo eine Fassade zum Gleisfeld zeigt, entscheidet der Abstand über das ganze Verfahren.

Sanierung im Hardfeld

Dichtes Wohn- und Mischquartier nahe am Bahnhof. Vor der Fassade bleibt wenig Platz, das Gerüst rückt schnell an Trottoir oder Bahngrund.

Neubau auf Arealflächen

Bahnhof Nord liegt zwischen Gleisen und Aare, Olten SüdWest auf einer aufgefüllten Kiesgrube. Hier kommen Gleisnähe und Baugrundfrage zusammen.

Gewerbebau am Gleis

Lager, Werkstätten und Hallen mit Anschluss an die Bahn. Krane und Materialaufzüge brauchen eigene Vorgaben nach Suva Form 4838 bzw. R RTE 20600.

Für Wohnbauten kommt meist das Fassadengerüst für die Sanierung neben dem Gleisfeld zum Einsatz. Wo Vorbauten, Hallen oder Aufzüge im Spiel sind, helfen Spezialgerüste für Areal und Industrie.

Gerüst in Bahnnähe in den Gemeinden des Niederamts

Art. 18m Eisenbahngesetz gilt überall gleich. Entlang der Bahnlinie im Aaretal betrifft das vor allem Dulliken, Däniken und Schönenwerd. In Däniken baut die SBB zudem ihre Lager- und Umschlaghalle zu einem Erhaltungs- und Interventionszentrum um.

Verschieden sind nur die kommunalen Regeln für Trottoir und Strasse. Wie die Bausubstanz vor Ort aussieht, zeigen die Seiten zu den bewohnten Mehrfamilienhäusern in Dulliken und zum Altbau rund ums Bally-Areal in Schönenwerd.

Was die SBB sehen will – und wer es liefert

Das Gesuch reicht die Bauherrschaft oder ihre Bauleitung ein, über das Formular «Bauarbeiten und Projekte» der SBB zu Bauarbeiten nach Art. 18m. Die Gerüstunterlagen dazu kommen von uns:

  • Situationsplan mit dem gemessenen Abstand zur nächsten Gleisachse
  • Gerüstplan mit Grundriss, Höhe und Lage der Verankerungen
  • Lage der Bauprofile, falls ein Baugesuch läuft
  • Terminfenster mit Aufbau- und Abbautag
  • Ansprechperson der Bauherrschaft für die Rückfragen der SBB

Melden Sie ein Objekt am Gleis, sobald der Termin grob feststeht – nicht erst mit der Bestellung. Am Telefon unter +41 79 193 11 03 klären wir in wenigen Minuten, welche Zone betroffen ist.

Hinweis: Dieser Ratgeber fasst die Vorgaben von Bund und SBB zusammen, Stand Oktober 2026. Er ersetzt keine Auskunft der Bahn. Massgebend sind die Bewilligung und die Auflagen im Einzelfall.

Häufige Fragen

Gerüst neben dem Gleis – kurz beantwortet

  • Ab welchem Abstand zum Gleis braucht mein Gerüst eine Bewilligung der SBB?

    Liegt die Baustelle näher als 50 m an einem SBB-Grundstück oder einer Freiluftleitung, prüft und bewilligt das Grundstücksmanagement der SBB das Projekt. Grundlage ist Art. 18m Eisenbahngesetz. Gebaut wird erst mit dieser Bewilligung.

  • Wie viel Vorlauf brauche ich für ein Gerüst neben der Bahn?

    Die SBB verlangt für die Prüfung mindestens 25 Tage Vorlauf und rechnet intern mit rund 30 Tagen Bearbeitung. Planen Sie rund acht Wochen vor dem Aufbautag ein. Die Bewilligung für öffentlichen Grund läuft parallel.

  • Muss ein Gerüst neben der Fahrleitung geerdet werden?

    Kann es in die 5-Meter-Gefahrenzone um spannungsführende Teile gelangen, ja. Dafür braucht es ein Erdungskonzept. Stahlbaugerüste erdet der Fahrleitungsdienst, die Freigabe erteilt der Fahrstromdienst.

  • Wer bezahlt den Sicherheitschef an der Gleisachse?

    Die Bauherrschaft. Zwischen 0 und 5 m ab Gleisachse ist ein Sicherheitschef nach R RTE 20100 zwingend, nötigenfalls mit Sicherheitswärter. Die Position gehört von Anfang an ins Budget.

  • Gilt das auch ausserhalb der Stadt Olten?

    Ja. Art. 18m Eisenbahngesetz ist Bundesrecht und gilt in jeder Gemeinde gleich, etwa in Däniken, Dulliken oder Schönenwerd. Verschieden sind nur die kommunalen Regeln für öffentlichen Grund.

  • Wer reicht das Gesuch bei der SBB ein?

    Die Bauherrschaft oder ihre Bauleitung, über das Formular «Bauarbeiten und Projekte» der SBB. Gerüstbau Olten liefert Gerüstplan, Höhe, Abstände und Terminfenster als Unterlagen dazu.

Mehr zu Industriearealen und Zutritt steht im Block Gleisnähe und Areale der häufigen Fragen.

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Adresse, Abstand zum Gleis und Zeitraum genügen. Sie erhalten eine Festpreis-Offerte mit Zone, Vorlauf und Sicherheitschef als eigene Zeilen.